Brasilienbericht

Vorbereitung und Ankunft in Brasilien

Kaum einer wagte zu glauben, dass es Wirklichkeit werden könnte, 2010 nach Brasilien zu reisen. Doch drei sehr fleißige und unermüdlich kämpfende Carmina-Bienen und die Unterstützung des Goethe-Instituts haben es letztlich doch möglich gemacht.

Am Samstag, dem 9. Oktober 2010, steigen wir in einen Reisebus Richtung Frankfurt Flughafen und sind aufgeregt und gespannt, was uns bald in dieser so anderen Welt erwarten wird. Nach kurzer Zwischenlandung in Sao Paulo geht es nach Rio.

Rio de Janeiro

Am Flughafen werden wir um 8.30 Uhr Ortszeit von der Firma Blumar, vertreten durch Dirk, mit einem Schild “Chor Carmina” bereits erwartet. Dirk ist aber nicht unser Reiseleiter, sondern Vertretung für Heidi, die uns in Rio begleiten wird.

Guiomar, unsere einzige Brasilianerin, überzeugt uns sofort schon mal vom ausgezeichneten Essen in Brasilien. Sie kauft am Flughafen eine Tüte mit Käsebrötchen (pão de queijo), und wir dürfen alle probieren. Keine Frage: wir sind überzeugt.

Ausruhen gibt es nicht; der Reisebus steht vor dem Ausgang. Kurz darauf bekommen wir erste Eindrücke von Rio de Janeiro. Heidi spricht mit leuchtenden Augen über ihr Rio.

Mittags steht der Corcovado auf dem Plan. Heidi hat bereits Karten gekauft, so dass wir sofort in die nächste Zahnradbahn einsteigen können, die uns den steilen Berg bis auf 710 m hinauffährt. Es ist Sonntag. Für Brasilianer heißt dies: Familienausflug. Der Corcovado ist ein beliebtes Ziel, und es ist kaum möglich, sich durch die Menschenmassen unterhalb der 38 m hohen Christus-Statue zu kämpfen. Wir genießen den Ausblick in die Guanabara-Bucht und kämpfen uns durch bis zu einer Saftbar. Hier erfahren wir das nächste Highlight dieses Landes: Früchte werden hier frisch gepresst serviert, manchmal gemixt oder mit Limetten verfeinert. Was für eine Gaumenfreude!

Danach nehmen wir die Bahn zurück ins Tal. Ein paar Musiker steigen in unseren Waggon, und als sich die Türen schließen, beginnt Stimmung ganz auf Brasilianisch. Alle singen und tanzen, und wir hören ganz gespannt zu. Ganz sicher sind wir nicht, ob es ankommen wird, aber wir trauen uns, ein Lied zu schmettern und bekommen tosenden Applaus. Eine Laola-Welle wird gestartet, und die Stimmung hält bis zur Talstation an.

Unten angekommen, steigen wir in unseren Bus und fahren zu einem Grill-Restaurant. Hier lernen wir, was die Lieblingsspeise der Brasilianer ist: Fleisch, Fleisch und noch mal Fleisch. Es gibt ein reichhaltiges Buffet. Außerdem eilen Kellner an jeden Tisch mit großen Spießen, auf denen alle Arten von Fleischwaren stecken – angefangen vom Würstchen bis hin zum wunderbar saftigen Rinderfilet. Und Nachspeisen sind unbedingt Pflichtprogramm: süß und ungemein lecker.

Nach dem Einchecken im Hotel wollen wir endlich einmal den Sand der Copacabana unter den Füßen spüren und laufen zum Strand. Eine Bar lädt ein zum Verweilen. Wir können einen echten brasilianischen Caipirinha zu uns nehmen und dabei das Meer rauschen hören.

Am nächsten Tag geht es in das Viertel Santa Teresa, ein Künstlerviertel mit einem besonderen Flair. Das Viertel liegt am Berg und die Straßen sind sehr eng und verwinkelt. Wir fahren mit einer alten offenen Straßenbahn mit Holzbänken hinauf. Wer sich außen an der Bahn festhält, muss kein Ticket bezahlen, erklärt uns Heidi. Die Straßenbahn holpert sehr laut durch die engen Straßen, und wir sehen alte Villen, die von reicheren Brasilianern gekauft und teilweise schon restauriert wurden. Der Blick ins Tal verrät, warum das Viertel so beliebt ist und Künstler Inspirationen frei Haus geliefert bekommen.

Fast am tiefsten Punkt des Viertels kommen wir an eine steile, mit tausenden Kacheln geschmückte Treppe. Der Künstler Selarón lebt in einer Wohnung am Rande der Treppe und freut sich über jeden Besucher, gibt Auskunft zur Herkunft verschiedenster Kacheln und verkauft in seinem kleinen Zimmer Bilder, die er gerne signiert. Kacheln aus 120 verschiedenen Ländern haften auf den Stufen, und er ist stolz darauf, dass sein Kunstwerk so gut angenommen wird.

Nach dem Künstlerviertel wartet auf uns die dem Schutzpatron von Rio de Janeiro gewidmete Kathedrale San Sebastian. Ein moderner Betonbau entworfen von Edgar Oliveira da Fonseca und zwischen 1964 und 1979 erbaut. Der Innenraum ist riesig und kann bis zu 5000 Menschen aufnehmen. Die nach vier Seiten, entsprechend den Himmelsrichtungen, offenen Eingänge ermöglichen einen immer vorhandenen Luftzug, der die Hitze im Hochsommer erträglicher macht.

Tag drei in Rio: Heute werden wir mit der Seilbahn auf den Zuckerhut fahren. Auf dem Weg dorthin erzählt uns Heidi einiges über Land und Leute und natürlich auch über den Lieblingssport: Fußball.

Wir legen einen Zwischenstopp auf einem Markt ein. Heidi zeigt und erklärt uns die unterschiedlichen Früchte und Gemüse. Einige davon haben wir in Deutschland noch nie gesehen. Manche dürfen wir auch probieren.

Die erste Station der Seilbahn führt uns auf den Urca-Berg, der Vorberg des Zuckerhuts. Schon hier ist die Aussicht fantastisch. Dann geht es mit einer weiteren Seilbahn steil bergan. Unterwegs können wir am Berg Kletterer beobachten, die eine andere Art der Zuckerhuterklimmung gewählt haben – Respekt! Oben erwartet uns ein beeindruckender Ausblick über Rio mit all seinen Buchten, der Copacabana, dem Strand von Ipanema, dem kleinen innerstädtischen Flughafen, dessen Landebahn im Meer endet.

Am Nachmittag beginnt der erste Workshop, und wir fahren zum Seminário Teológico Batista do Sul do Brasil nach Tijuca. Harald stellt den Workshopteilnehmern seine Art des Einsingens vor und beginnt danach mit seinem Vortrag über „reine Stimmung“ und die Auswirkung auf den Chorklang. Am Abend geben wir in der Capela do Seminário do Sul unser erstes Konzert. Die Bach-Motette "Singet dem Herrn" und Whitacres "Leonardo dreams of his flying machine" sind mit nur 28 Sängern besondere Herausforderungen. Es ist sehr gut besucht, und die brasilianischen Zuhörer sind begeistert.

Am nächsten Tag sind Proben angesetzt. Am Vormittag proben wir alleine, dann fahren wir ins Seminário Teológico Batista do Sul do Brasil und führen dort die Proben mit Harald und dem Chorleiter des brasilianischen Chors, Ricardo, weiter fort. Das gemeinsame Konzert am Abend findet in der Igreja Batista de Itacuruça statt.

Der nächste Tag führt uns ein wenig durch die Altstadt von Rio. Diesmal begleitet uns Dirk. Er zeigt uns die noch erhaltenen alten Gebäude von Rio - leider gibt es nicht mehr sehr viele. Da es in Brasilien kaum Denkmalschutz gibt, mussten alte kleine Gebäude modernen Hochhäusern weichen. Rio ist eine expandierende Großstadt, jedoch von Wasser und Bergen umgeben, daher kann hier nicht mehr in die Breite, nur noch in die Höhe gebaut werden. Mancher Berg wurde aber auch gesprengt und abgetragen und sogar das Meer musste teilweise weichen – große Flächen wurden trockengelegt, um hier bauen zu können.

Ein Abstecher zu einem alten Baptisten-Kloster lässt erahnen, welcher Reichtum auch hier vorhanden war. Wir sehen Echtgoldverzierungen und Malereien, die vor dem Licht geschützt werden und von außen nicht erkennbar sind. Ein Pater begrüßt uns herzlich und erklärt einiges über das Kloster. Zum Dank singen wir ihm ein "Vater Unser".

Am Abend ist das nächste Konzert in der Sociedade Germânia unter freiem Himmel. Wegen der Herbstferien sind leider nur wenige Besucher dort aber zu unserer Überraschung einige Mitglieder des Seminário do Sul, die uns noch einmal anhören möchten. Wieder sind die Zuhörer begeistert, und wir können zufrieden sein.

Am nächsten Morgen starten wir früh mit dem Flugzeug nach Curitiba.

Wer glaubt, wir hätten bis hier her eine unglaubliche und wunderschöne Reise erlebt, hat natürlich völlig Recht. Aber die wahren Highlights liegen erst noch vor uns...

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